Donnerstag, 12. April 2012

Laos; Vang Vieng

Hinter mir bringt ein stinkender Pick-Up johlende Teenager zum "Tubing".  Die grossen Fahrzeugschläuche (engl.: tube) werden als Schwimmhilfen auf dem Mekong genutzt, wobei weniger dem Vergnügen auf dem Wasser, als in den zahllosen Bars am Flussufer gewidmet wird. Die Vorbeitreibenden werden mittels Seilen an die Bars gezogen und abgefüllt. Etwas sportlicher geht's bei den Kanuten und Kayakfahrer zu. Die müssen nämlich nicht nur paddeln, sondern dürfen ihre Wasserfahrzeuge auch regelmässig über Kies- und Sandbänke tragen, weil der Wasserstand zurzeit so tief steht.
Auf trockenem Boden hätte Vang Viengs Region noch viele Wanderungen, Radtouren, Höhlentouren bis hin zum Klettern zu bieten. Doch all das blieb mir verwehrt. Stattdessen hinke ich mit einer Stützbandage am Fuss durch die Gegend und ernte mitleidige bis hämische Blicke. "Schon wieder einer, der sich betrunken in Fluss gestürzt.", lese ich in ihren Augen. Tatsächlich bin ich in guter Gesellschaft von Einbandagierten, Hinkenden und Zerkratzten.
Meine Tage verbringe ich gemütlich in Cafès, in denen all die gleichen amerikanischen Serien laufen und teste meine Schmerzgrenze beim Spazieren aus, bis ich bereit bin ein Busticket zu kaufen.  




Sonntag, 8. April 2012

Ostersamstag 2012, oder der gestrichene Tag im Kalender…



Nachts trommelt starker Regen auf’s Dach und  reisst mich aus den schlechten Träumen. Zur leichten Erkältung, die ich mir in den Bergen um Nong Khiew zuzog, kam ein hartnäckiger Husten hinzu. Hustend und mit Nackenschmerzen graut der Morgen heran. Er bringt mehr Wolken. Im Norden ist die deutlich kühlere Regensaison eingekehrt. Kurzentschlossen packe ich meine sieben Sachen und schleppe mich zum Busbahnhof, wo ein offener PickUp mich in vier Stunden nach Luang Prabang bringt. Die zugige Fahrt provoziert noch mehr Husten, raut meinen Hals  zusätzlich auf. Da nützen nicht mal die starken Vitaminkapseln, die mir Carmen zurückliess. Die Erwartung auf die Wärme im Süden stimmt mich aber zuversichtlich. In Luang Prabang finde ich schnell einen „Express-Buss“ nach Vang Vieng, das zwar touristischer ist, aber eine sehr schöne Landschaft bietet, und tropisches Klima.
Der Bus windet sich durch herrliche Hügellandschaft, rast mit fast unverminderter Geschwindigkeit durch Dörfer, deren Bewohner und freilaufenden Tiere mit Hupen aufgeschreckt werden, und schneidet die nächste Kurve an. Da passiert es: Durch ein Ausweichmanöver, wegen einem ebenfalls zu schnellen Lasters, kommt der Bus ins Schlingern, fährt in Graben und schrammt am Felsen entlang bis er zum Stehen kommt. Glücklicherweise wurde keiner verletzt. Nach kurzer Bestandsaufnahme nimmt der Busfahrer die Fahrt wieder auf.
Verspätet in Vang Vieng angekommen, gehe ich durch die neonbeleuchteten Strassen, lass mich von den Bässe wummernden Musik weitertragen und frag im ersten Hostel nach Unterkunft. Das Zimmer wäre ganz in Ordnung, nur der hohe Preis liess mich zögern. Mit Hoffnung auf einen günstigeren Übernachtungsplatz gehe ich dich steile Treppe runter, übersehe eine der unregelmässig angelegten Stufen und stürze. 20 Kilo Gepäck am Rücken unterstützen die Wucht auf den einknickenden Fuss. Sofort bildet sich eine Golfball grosse Schwellung am Knöchel, und es wächst. Ich nehme das Zimmer doch, leg den Rucksack ab und lege mir einen Beutel Eis auf das Sprunggelenk.
Der Hunger nach der langen Fahrt ist so stark wie die Schmerzen. Ich humpele zum Restaurant runter. Während ich lustlos das schalen Reisgericht mampfe, lese ich deprimierende E-Mails und beobachte die junge Leute um mich, die sich eine lächerliche Zeichentrickserie in Endlosschleife reinziehen. Ich frage mich: Was mache ich da?
Zurück im Zimmer auf der Suche nach etwas Ruhe und möglichst schmerzlosen Schlaf (mit Hilfe von Paracetamol, das einzige Schmerzmittel in meiner desperaten Erste-Hilfe-Set) dringen aufdringliche Stimmen einer Karaoke -Veranstaltung zu mir, die nach Mitternacht von krächzenden Lautsprechern einer buddhistischen Chanting-Gemeinschaft abgelöst wird.
Erstaunlich erfrischt wachte ich heute Morgen auf. Der Fuss schmerzt noch, doch nachdem ich einen stützenden Verband anlegte (hier vermisste ich die professionelle Hilfe und sanften Hände einer Physiotherapeutin) konnte ich ihn wenigstens wieder etwas belasten. Der Blick von der Terrasse offenbarte mir bei Tageslicht eine herrliche, von der Morgensonne beschienene Berglandschaft gleich vor Vang Vieng und mir fällt wieder ein: es ist Ostersonntag, ein Licht geht auf…
In diesem Sinne
Frohe Ostern!





 Der Bus im Strassengraben, zum Glück ohne verletzte






Treppensturz; der linke Knöchel wuchs in Sekunden zum doppelten Umfang (naja, fast ;-))





zum Rumliegen verurteilt








Die  Berge müssen noch warten, immerhin habe ich einen schönen Blick vom Hostel aus

FROHE OSTERN!

Freitag, 6. April 2012

Laos; Nong Khiew


Im buddhistischen Laos ist zwar keine Osterstimmung auszumachen, eine besinnliche Zeit kann man aber trotzdem erleben. In den Bergen fand ich ein kleines Dorf am Nam-Ou-Fluss zwischen uralten Karstbergen eingebettet. Nur wenige Traveler verirren sich hierhin. Und wenn sie schon in die Gegend kommen, dann ziehen sie gleich weiter nach Muang Ngoi Neua, in den letzten Ort des Tales, den man nur noch per Boot erreichen kann. Dort stranden sie wie in einer Sackgasse und sammeln sich  in den Gästehäuser und Restaurants der geschäftstüchtigen Dorfbewohner. Hier aber spielt sich ein beschauliches Dorfleben ab. Kinder radeln oder gehen in Gruppen zur Schule, Frauen waschen Kleider im Fluss und alte Männer rauchen eine Pfeife vor dem Haus, während Andere auf die Felder gehen.

Die Gegend lädt zu Wandern ein. So mache ich mich auf um an Höhlen, Reisterassen und Bambuswälder auf die Hügel zu wandern und eine ruhige Zeit in der Natur zu verbringen. Fern ab von Zivilisation, Kommerz und Festtagsrummel.

In diesem Sinne grüsse ich euch und wünsche allen

Frohe und besinnliche Ostern

















Donnerstag, 5. April 2012

Laos; Luang Prabang

Vor mir steht ein Capucchino mit echtem, dicken Milchschaum und ein frisches Croissant. Auf dem Mekong legte soeben ein weiteres Boot an, das neue Touristen in die Stadt schwemmt. Etwas übertreuert ist es hier schon. Doch das merken vor allem die Pauschaltouristen nicht. Im Vergleich zu ihren Heimatländer ist's ja billig; also treiben die Laoten ihre Preise ständig weiter in die Höhe. Angenehm ist es trotzdem hier beim Zusammenfluss vom Mekong und Nam Ou. Die Stadt hat noch den Flair alter Zeiten bewahrt.
Direkt an den Flüssen gibt's jede Menge kleine Restaurants, Cafés oder Fruchtsaftladen. Nur der Gemüsemarkt ist versteckt in kleinen Nebengassen, die ich erst am zweiten Tag fand. Dagegen kann man den abendlichen Touristenmarkt beim Nationalmuseum nicht verpassen.
Unübersehbar ist auch die Stupa auf dem Hügel mitten drin. Dort gibt's noch einen kleinen Höhlentempel und der Fussabdruck Buddhas ist zu bestaunen. Interessant was man alles so aus erodiertem Gestein lesen kann. 








Kaffee oder Tee? Oder doch ein frischen Fruchtshake? Egal, bei der Aussicht.





roads of Luang Prabang






Gemüsemarkt ...aber auch süsse Mangos




Wächter des Höhlentempels?







 Buddha soll auch schon hier gewandelt sein ...und sein Fussabdruck hinterlassen haben.






Junge Mönche bei der Arbeit




Auch Mönche haben Träume...





...zum Beispiel von bequemeren Autos ;-)




ein Hauch von Nostalgie auf der Strasse

Montag, 2. April 2012

Laos; Mekong-Fahrt von Huay Xai nach Luang Prabang

Gemütlich schippert das grosse Langboot den Mekong hinunter. Das diesige Licht der feuchtigkeitsgeladenen, tropischen Luft taucht die Landschaft in verschwommene Farben. Die Reisenden an Bord sinken in einen Dämmerschlaf oder gehen herum und halten ein Schwätzchen mit anderen. Die Zeit verinnt nur zäh, klebt am Körper wie das verschwitze T-Shirt. Das dichte Grün am Ufer wird manchmal durch eine Sandbank unterbrochen, auf der die Menschen Gold waschen. Während der Trockenzeit von Dezember bis April kann so eine arme Dorffamilie ihren Haushaltsgeld mit bis zu 24 Gramm Gold aufbessern. Andere sammeln Zikaden an Stöcken (wie genau sie das machen ist mir nicht bekannt) um sie als Proteinquelle und Nahrungsergänzung zu nutzen.






Laoten beobachten wie die Touristen ins Land strömen.




Ein Fremdenführer wartet auf seine Gruppe




typisches Langboot zur Personenbeförderung...





 ...bepackt mit Reisenden....





...und ihren Rucksäcke




Im Heck befindet sich die Küche




Opfergabe an die Motor-Götter...




...damit der Käpt'n ruhig dahinschippern kann





...




am Gold waschen




Pak Beng





Hausboot auf'm Mekong




Der mekong in der Trockenzeit




...












...




Freitag, 30. März 2012

Thailand; Chang Khong

Die seltsamen Tempeln von Nordthailand


Die massenweise vorhandenen Tempeln, Stupas und Klöster in jeder Stadt, auf jedem Hügel und hinter jeder Strassenbiegung stumpfen ab. Da latscht man schon mal an einem vorbei und denkt sich; das hatte ich doch schon mal gesehen.

Doch der Weisse Tempel bei Chang Rai sticht aus der Masse. Wie ein Märchenschloss steht er ganz in Weiss neben der Strasse. Die skurrilen Formen und bizarren Details lenken eher vom Beten ab. Da muss man sich die Karmapunkte ganz schön verdienen.

Auch der Tempel in Chang Khong hat mehr kitschige Elemente verbaut als üblich. Drohend zeigen die animalischen Tempelwächter ihre Lefzen über den Grenzfluss Richtung Laos.

Morgen früh werde ich an genau dieser Stelle die Grenze nach Laos überschreiten, bzw. überschiffen.